Verein
Geschichte des ASV Aachen
 

Kapitel 4

(das vierte Lustrum)
1976 – 1980

Rursee Ereignisse

Wiederum wird ein niedriger Wasserstand des Rursees beklagt. Dennoch beginnt die Segelsaison mit zwei neuen Piraten, Poly und Ester, die mit Zuschüssen vom Land und der Stadt Aachen anstelle der ursprünglich vorgesehen 470er gekauft wurden.
Die beiden Schneidereit Piraten wurden in den ersten Wochen viel gesegelt. Als dann aber die erwarteten Regatta-Lorbeeren ausblieben, schlief das Interesse schnell ein.
Die neue Amme hingegen erwies sich als ein echter Magnet, der auch entfernter wohnende ASVer an den Rursee zog.
Im Frühjahr 1978 wurde die ASV Flotte durch einen Flying Dutchman, die Diabolo II (eine Schenkung des AH Dettmering), erweitert. Nach Überholung des Rumpfes und zwei neuen Segeln stellte er für manche ASVer eine bisher unbekannte und neue Attraktion dar.

 

Zweite Teilnahme der AG II an einer Seeregatta

Nachdem bereits 1974 die AG II an der Nordseewoche erfolgreich teilgenommen hatte (2. Platz auf der Regatta Cuxhaven – Kiel), wird 1976 ein zweiter Versuch unternommen. Auf der Regatta Kiel - Korsör läuft die Aquis Granus II als 7. Schiff über die Ziellinie fällt jedoch durch den hohen Zeitfaktor auf Platz 9 zurück.
Bei 7 bft. ist sie auf der Kreuz zwar das schnellste Schiff, verliert aber auf den Vorwindkursen ihren Vorsprung.

 

Havarie vor den Shetlands

Die Aquis Granus II kommt in "schweren" Wetter vor den Shetlands in Seenot. Sie kentert bei südlichen Winden von Bft. 10 – 11 in einer Kreuzsee. Zwei Mann der Crew fuhren Wache und waren einpickt mit den Leinen der Lifebelts. Die fünf anderen waren unter Deck. Als eine steile Welle das Schiff auf die Seite rollte, wurden die beiden im Cockpit in ihre Life-Leinen geschleudert. Nach dem Wiederaufrichten konnte man die Schäden feststellen.
Gott sei Dank war von der Crew niemand ernsthaft verletzt. Der Mast war kurz über Deck rundum bis auf einen Rest von 8 cm gebrochen. Das Bb - Want war ebenfalls gebrochen und das Stb – Unterwant war angesplissen. Die Crew sicherte mit Fallen und Topnanten den noch stehenden Mast. Kompass, Signalpistole und ein Spi-Baum waren über Deck gespült. Das Spritzverdeck war weggerissen und unter Deck alles durcheinander gefallen. Die Rettungsinsel wurde klargemacht und man steuerte in einer abenteuerlichen Fahrt bei Bft. 10 auf westlichen Kurs. Nach etwa 12 Stunden konnte man eine Bucht der Insel Fetlar (den Shetlands vorgelagerte Insel) anlaufen und mit Hilfe vom Geschirr eines Färöer - Fischers den Mast ziehen. Nach Wetterberuhigung schleppte der Fischdampfer die AG II ca. 40 sm nach Lerwick. Mit Unterstützung des deutschen Konsuls in Lerwick wurden die Formalitäten geregelt und das Problem geklärt, das Schiff in Lerwick liegen zu lassen bzw. an Land aufzubocken.

 

Arbeitsstunden

Der Takelmeister (Jürgen Rüter) berichtet, dass er eine Arbeitsstunden-Umordnung im WS 77/78 eingeführt hat: Um zu vermeiden, dass ein Großteil der Arbeitsstunden erst zwei Wochen vor der Indienststellung geleistet werden, müssen in jedem der Monate November bis Dezember 16 Arbeitsstunden abgeleistet werden. Außerdem berichtet er, dass für die gesamte Winterüberholung 3050 Arbeitsstunden benötigt waren, die sich wie folgt aufteilen:
Seeschiff: 995 h
Amme und Jollen: 1197 h
Bude: 250 h
Seekarten: 227 h
Sonstiges: 360 h

 

Das Seeschiff in Vaals

Zur Winterüberholung wird die AG II nach Vaals gebracht. über den Albrecht Kanal, den Juliana Kanal und die Maas wird das Schiff nach Maastricht motort und dann mit einem Tieflader nach Vaals und dort in der Halle eines ehemaligen Fuhrbetriebs auf Böcken gelagert. Wegen der Nähe zu Aachen verspricht man sich etliche Vorteile bei den Überholungsarbeiten: keine weite Anfahrt für die ASVer (gegenüber Breskens) und deshalb vermehrter Arbeitseinsatz, die Nähe zu den mechanischen Instituten der TH und dgl. Dem Bericht im Bulleye Nr. 13 zufolge ist das Unternehmen "Vaals" ein voller Erfolg. Auch finanziell entstehen keine Mehrkosten gegenüber einem Winterlage in Breskens. Nur die Beschaffung von kleinen Ersatzteilen macht große Schwierigkeiten, weil die Region Aachen keine entsprechenden speziellen Verkaufsläden für Schiffszubehör kennt. Selbst Schrauben etc. aus rostfreiem Stahl sind eine Seltenheit in dieser Zeit. Das umfassende Magazin bei Frans Maas in Breskens wird sehr vermisst.

 

1. Teilnahme am Fastnet Race

Eine Crew des ASV nimmt erstmals am Fastnet Race in England teil. Nach zweitägiger Flaute bricht die Crew die Regatta beim Feuerschiff Seven Stones ab und fährt unter Motor nach Tresco, eine der Scilly Inseln. Sie beweist damit die begrüßenswerte Haltung, dass für ASVer der Besuch einer noch wenig bekannten aber landschaftlich bemerkenswerten Insel von größerem Interesse ist als das stumpfsinnige Verharren in einer Flautenregatta.

 

Reisen in die Biskaya und zu den Hebriden

1979 war wieder ein richtiges Biskaya-Jahr mit einem langen und feuchten Ausflug rund Irland bis zu den Hebriden.
Im El Anchove im Baskenland mußte das Ruder der AG II unter "abenteuerlichen Bedingungen" repariert werden. Das Anzapfen der Hauptstromversorgung des Ortes zum Schweißen, der Wettlauf gegen die aufkommende Flut und die findigen technischen Hilfsmassnahmen der ASVer vermitteln den Charme einer ASV Anekdote.

 

Die Reise nach Tallin zu den Olympischen Spielen

Das Jahr 1980 stand ganz im Zeichen der Olympischen Spiele in der UdSSR und damit der Reise der Aquis Granus II nach Tallin zu den Segelwettbewerben.
Zur Erinnerung: Alle westlichen Länder hatten sozusagen "in letzter Minute" ihre Teilnahme an den Olympischen Spielen aus irgendwelchen politischen Vorwänden — auf Druck der USA — abgesagt. Die Reise nach Tallin war aber im ASV schon lange geplant und vorbereitet und die Visa seitens der UdSSR erteilt.
Trotz missbilligender Töne aus dem politischen Umfeld unternahmen die ASVer diese Reise. Sie berichteten u. a., dass ihnen in Tallin ein leergeräumter Fischerhafen von großem Ausmaß — für die vielen erwarteten Boote aus dem Westen — zur Verfügung stand und sie sich etwas "verlassen" fühlten.

 

Caledonian Canal

 

Caledonian Canal
(Die Karte ist dem Reiseführer von Baedeker entnommen)
Der Versuch, mit einer ASV Crew den Caledonian Kanal zum zweiten Mal zu durchqueren scheiterte an einer defekten Schleuse bei Fort Augustus.

 

20 Jahre Akademischer Segler Verein der Rheinisch Westfälischen Technischen Hochschule Aachen

1980, zum 20 jährigen Gründungsjubiläum des ASV i.A. veranstalten Jürgen und Renate Willen ein bemerkenswert schönes Sommerfest im Innenhof ihres "Wohnpalais" in Roetgen.