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Nachbericht zum Fastnet Race

fastnetcrew

Für einige der 14 Crewmitglieder de Aquis Granus IV des ASV Aachens ist es eine kalte letzte Nacht im Hafen von Southampton. Die Hälfte der Schlafsäcke und alles was an Bord nicht unbedingt gebraucht wird, ist schon per Anhänger zum Zielhafen nach Plymouth unterwegs. Beim Segeln kommt es auf jedes Kilogramm an. Der Schlafsackmangel wird für die nächsten Tage auch kein Problem mehr sein, denn eine Hälfte der Crew wird immer an Deck sein und segeln. An diesem Sonntagmittag wird der Startschuss zum Rolex Fastnet Race fallen, der größten und berühmtesten Hochseeregatta der Welt über gut 600 Seemeilen, bzw. ca. 1100 km. Mehr als 350 Yachten werden am Start sein und jeder der im Segelsport Rang und Namen hat, ist hier auf einer Crewliste zu finden.

Nach dem Ablegen muss jedoch zunächst das sogenannte Gate durchfahren werden, der letzte Sicherheitscheck. Die besonders robuste und orangefarbene Sturmbesegelung ist angeschlagen und die Crew ist vollzählig in Rettungsweste an Deck aufgereiht, als die Aquis Granus ein Motorboot passiert. Hier will die Regattaleitung ein letztes Mal kontrollieren, ob man auch wirklich bereit ist für das Rennen, das in seiner fast 100jährigen Geschichte schon einige Stürme und aufgegebene Yachten gesehen hat.

Auf dem Weg zur Startlinie vor der Isle of Wight laufen noch letzte Vorbereitungsarbeiten. Ein Crewmitglied wird noch in den 25 m hohen Mast gezogen, da der Windanzeiger nicht korrekt sitzt. Hinter der Startlinie wird es langsam immer voller. Die Teilnehmer sind in 7 Startgruppen eingeteilt, die im Abstand von 20 Minuten starten werden. Die Aquis Granus wird in der letzten und schnellsten Gruppe an den Start gehen. An diesem Start werden auch die Volvo Ocean Racer, die Formel 1 des Hochseesegelns, teilnehmen, bevor sie im Herbst auf ihre Jagd um die Welt gehen.   
Die letzten 10 Minuten vor dem Start sind angebrochen, eine der spannendsten Phasen einer Segelregatta. 34 Yachten kämpfen nun um den besten Platz an der Startlinie. Die tonnenschweren und teilweise millionenteuren Yachten kommen sich bis auf wenige Meter nahe. Alle mit dem Bestreben mit maximaler Geschwindigkeit und freiem Wind im Moment des Startschusses über die Linie zu gehen. Auf engstem Raum werden noch Wenden du Halsen gefahren, alle Crewmitglieder sind voll beschäftigt. Die Seiten der Startlinie werden von hunderten kleinen Schlauchbooten mit Zuschauen und Presse gesäumt, über dem Feld kreist ein Hubschrauber für TV-Aufnahmen.

fastnet cockpit

Aus einer alten Kanone an Land fällt um 12:40 Uhr britischer Zeit der Startschuss. Die Aquis Granus kann sich sehr gut positionieren und einen gelungenen Start fahren, wird aber als kleinste und relativ alte Yacht recht schnell wieder eingeholt. Die Yachten kreuzen im Zick-Zack gegen den Wind den Solent hinaus in den Ärmelkanal. Jetzt schlägt an Bord die Stunde des Navigators. Anhand aktueller Wettervorhersagen und Daten über die Gezeitenströmung muss die ideale Route ermittelt werden. Bei entgegengesetzter Strömung wird versucht, in die Buchten an der englischen Südküste zu fahren, da dort weniger Strömung herrscht. Setzt der Strom in die richtige Richtung ein, muss versucht werden ihn wieder mitzunehmen.

Die Aquis Granus kommt gut voran, auch wenn sie sich mühselig durch einige Flautenlöcher kämpfen muss. An Bord wird jetzt nach festem Wachplan gefahren. Zu jeder vollen Stunde wird ein Crewmitglied an Deck ausgewechselt. Die Segel müssen ständig getrimmt und nachgestellt werden. Jede kleine Bö und jeder Winddreher muss ausgenutzt werden. Gegessen werden gefriergetrocknete Fertiggerichte und Tütensuppen. Die Körperpflege wird sich die nächsten Tage auf das Zähneputzen beschränken. Ein Teil der Crew legt sich sogar mit dem Ölzeug in die Koje. Alles ist dem großen Ziel untergeordnet das Boot immer am Limit zu segeln.
Skipper und Navigator sitzen ständig am Bordcomputer und beobachten die Gegner. Da auch Sportboote heutzutage ihre Position und Bewegung ständig per Funk an die unmittelbare Umgebung übertragen müssen, werden alle Schiffe in der Nähe auf der Seekarte des Bordcomputers angezeigt. Per Satellit werden laufend neue Wetterinformation eingeholt und für die Routenplanung berücksichtigt.
In der zweiten Nacht kommt schließlich der Leuchtturm des Fastnet Rock an der irischen Küste in Sicht, der Wendemarke, die der Regatta ihren Namen gibt. Zehn weitere Yachten befinden sich noch in unmittelbarer Umgebung zur Aquis Granus. Es wird nochmal etwas enger. Die gesamte Crew wird geweckt, denn die Rundung des Rocks ist für jeden Segelsportler ein einmaliger Moment. Am 09.08.2017 um 00:54:25 Uhr britischer Zeit rundet die Aquis Granus offiziell Fastnet Rock.
Danach geht es wieder zurück nach Osten und jetzt endlich auch mit Rückenwind. Im schwachen Mondschein und dem Licht des Leuchtturms werden auf allen Yachten die großen bunten Spinnaker gesetzt. Ab jetzt geht es schneller voran und es kann fast auf direktem Weg zum Ziel gefahren werden. Aber bis Plymouth sind es immer noch über 200 Seemeilen. Der Spinnaker muss ständig und mit viel Kraftaufwand getrimmt werden. Der Steuermann versucht das Boot möglichst lange auf der Welle zu halten, um maximale Geschwindigkeit zu ermöglichen.
Gegen Abend kommen die Scilly Inseln und das englische Festland wieder in Sicht. Ab jetzt sind es nur noch wenige Stunde bis Plymouth. Endspurt in die Nacht! Das Wachsystem ist beendet und alle Crewmitglieder sitzen an Deck auf der hohen Kante. In den nummerierten Trinkflaschen wird eine letzte Suppe gereicht. In der Navi wird die Ansteuerung von Plymouth und das Passieren der Ziellinie durchgesprochen. Am Horizont kommt das erste Leuchtfeuer in Sicht.
Hinter dem Wellenbrecher von Plymouth wird die See dann ganz ruhig und auch der Wind nimmt stark ab. Nur noch weniger 100 m. Alle starren auf den Leuchtturm der langsam an der Steuerbordseite passiert wird. Dann endlich: Ein Lichtschein und das kurze Hupen einer Druckluftfanfare. Am 10.08.2017 um 01:27:15 Uhr beendet die Aquis Granus IV nach knapp 85 Stunden das Rolex Fastnet Race 2017.   
An Bord kommt kurz Jubel auf, der aber schnell in das stille Genießen des Moments übergeht. Doch viel Zeit blieb nicht, denn bis zum Anlegen müssen noch die Segel geborgen und das Deck aufgeräumt werden.

rock sun

Trotz der frühen Stunde wird im Race Village immer noch oder bereits gefeiert. Auch die Crew der Aquis Granus macht sich auf zur Crew Bar. Man glaubt gar nicht, wie gut ein frischer Burger und ein kaltes Bier nach 4 Tagen Tütensuppen und Wasser schmecken können.
Die folgenden Tage ist erst mal großes Aufräumen, Putzen und Reparieren angesagt. Währenddessen kommen fast halbstündlich weitere Yachten ins Ziel. Langsam lohnt sich jetzt auch ein Blick in die Ergebnislisten. Da alle Yachten nach ihrer Größe und Bauart mit unterschiedlichen Handicap-Faktoren belegt sind, kann erst zum Schluss abgerechnet werden. Der erste im Ziel hat also nicht unbedingt gewonnen. In ihrer Gruppe konnte die Aquis Granus von 25 Teilnehmern den 15. Platz belegen, in der Gesamtgruppe von 290 Yachten den 88. Platz. Im Rennen mit größtenteils professionelles Crews ein beachtlicher Erfolg!
Doch schon die Teilnahme war einer der Höhepunkte in der Seereisensaison. Fast ein Jahr Vorbereitungszeit war notwendig, um Schiff und Crew zum richtigen Zeitpunkt entsprechend ausgerüstet und trainiert zu haben. Deutlich mehr Vereinsmitglieder als mitgesegelt sind, haben das Projekt unterstützt und möglich gemacht.